Leipzig. Ute
Steglich ist entwaffnend ehrlich. „Ich habe nie selber geputzt“, sagt die
Chefin der Agentur Steglich Leipzig (ASL). Und ein Blick auf die gepflegten,
kunstvoll lackierten Fingernägel lassen keinen Zweifel daran aufkommen.
Als
sie 1993 eine Agentur aufbaute, um Hauswirtschaftshilfen zu vermitteln, war
sie selbst ihre erste Kundin. Damals unterrichtete Ute Steglich noch als
Berufsschullehrerin Wirtschaft und ärgerte sich über die mangelnde
Unternehmenskultur in Deutschland. „Ich empfand es als wichtig, meinen
Schülern unternehmerisches Denken beizubringen“, erzählt sie und startete
daher den Praxistest.
In den Sommerferien organisierte sie sich einen
Gewerbeschein und überlegte, was für eine Firma sie aufbauen könnte. „Ich war
weder handwerklich begabt noch hatte ich ein innovatives Produkt“, sagt die
heute 53-Jährige. „Das einzige, was ich gut kann, ist Arbeit verteilen und
organisieren.“ Sie hatte einen Hund, ein Kind und im Haus lebte eine ältere
Dame. Damit waren neben der Hilfe beim Putzen die Ideen für weitere
Betreuungsangebote vorgegeben. Allerdings entwickelte sich erst Ende der 90er
Jahre auch tatsächlich ein Markt dafür in Leipzig. Insbesondere bei
Unternehmern, Ärzten, Professoren oder Politikern fand Ute Steglich ein
Kundenklientel, „das keine Zeit hat und keine Schwarzarbeit will“. Ihnen
vermittelt die umtriebige Firmenchefin passende Haushaltshilfen, ausgebildet
und versichert.
„Mir war es von Anfang an wichtig, Schwarzarbeit zu bekämpfen
und solchen Leuten einen Job zu bieten, die auf dem Arbeitsmarkt kaum eine
Chance haben.“ Das sind vor allem Frauen mittleren und höheren Alters.
Inzwischen beschäftigt die Unternehmensgründerin 40 von ihnen, elf davon in
Vollzeit. Seit 2005 vermarktet die gebürtige Leipzigerin ihr Konzept zudem als
Franchise-System bundesweit und in Österreich.
Wenn die Agentur heute ihr
15-jähriges Bestehen feiert, kann Ute Steglich auf fast 30 ASL-Filialen mit
400 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von über 1,5 Millionen Euro
verweisen.„Der Aufbau West läuft gut“, sagt die
Unternehmerin schmunzelnd. Dort wurde aus ASL der Slogan „Alles saubere
Leistung“, weil einige Partner in den alten Bundesländern doch Probleme mit
dem „Leipzig“ im Firmennamen hatten. Erfunden hat ihn Ute Steglichs Ehemann.
Den gelernten Kfz-Schlosser holte sich die Firmenchefin mit ins Boot als aus
dem Praxistest immer mehr eine Vollzeit-Unternehmung wurde.
Siegfried Steglich
führt nun die Kundengespräche und bildet ein wenig den ruhigen Ausgleich zu
seiner Powerfrau, die im Jahr 2000 ihren sicheren Lehrerjob endgültig an den
Nagel hängte. Bereut habe sie diesen Schritt nie, beteuert die zweifache
Großmutter. Nur manchmal mache ihr die soziale Verantwortung für ihre
Mitarbeiter ein wenig Angst. Schließlich könne immer etwas passieren. Von
alleine, sagt sie, laufe sowieso nichts. Die ASL-Chefin ist daher ständig
aktiv, lässt sich auf vielen Veranstaltungen blicken, um auch den Kontakt zur
Kundenklientel zu halten. In ihrem Büro zeugen Urkunden an der Wand von
zahlreichen Aktivitäten vom Franchise-Zertifikat bis hin zur Teilnahme am
Service-Preis dieser Zeitung.„Da fällt mir was ein,
das muss ich sofort aufschreiben“, ruft sie plötzlich und zückt Papier und
Kugelschreiber.
Auch neben dem Bett liege immer ein Zettel, damit sie keine
Idee vergesse. Um ihre Füße wuselt derweil Zwergspitz Lissy. Der kleine Hund
ist immer dabei, im Büro genauso wie abends, wenn Frauchen noch Termine hat.
Dann kommt Lissy in der Handtasche mit. „Wir sind beide ein bisschen
verrückt“, sagt Ute Steglich, die meist nicht vor 21 Uhr nach Hause kommt. Ans
Aufhören denkt sie aber noch nicht. Sie habe Spaß an der Sache, an ihrem Team,
und ein paar weiße Flecken vor allem im Norden Deutschlands will sie mit ihrer
Agentur noch füllen. Auch ins Ausland, in die Schweiz und nach Liechtenstein,
hat die Unternehmerin ihre Fühler ausgestreckt. Dass ihr Konzept so ein Erfolg
ist, führt sie auf ihre langjährige Erfahrung zurück.
Die Agentur-Gründerin
hat ein komplettes Handbuch für ihre Partner erarbeitet, hilft ihnen Fehler zu
vermeiden und schult sie. „Einmal Lehrer, immer Lehrer“, sagt sie
lachend.„Humor ist die Kunst zu lachen, auch wenn
einem zum Heulen zu Mute ist“, steht passenderweise auf ihrem aktuellen
Kalenderblatt. Sie liebe Sprüche, sagt Ute Steglich, die durchaus auch mal
über sich selbst lachen kann. Neid fürchte sie nicht („Neid muss man sich
erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt“), sagt die Unternehmerin, die
zumindest eines ihrer Ziele, einen Mercedes zu fahren, schon erreicht hat.
Ihre Fitness, ihr Körper sind ihr außerdem wichtig. Einmal in der Woche,
soviel Zeit muss sein, geht sie mit ihrem Mann in die Tanzschule Seifert. Und
einmal im Jahr ist auch der Skiurlaub Pflicht.
Ihr Motto? Ute Steglich
überlegt kurz und kommt zu dem Schluss: „Genieße das Leben ständig, denn man
ist länger tot als lebendig.“